20-Jahre-Regel | Globians Doc Fest 2005 | Arktis Unterwerfung und Ausplünderung
Arktika – The Russian Dream That Failed – CAN 2004, 53 Min., Produktion: Face to Face Media Ltd., Regie: Gary Marcuse, engl. OF. Der Dokumentarfilm zeigt essayistisch die Auswirkungen von Kolonialisierungen der Arktis-Region durch Sowjet-Russland auf die indigenen Völker der Nordmeerregion und ist zugleich Darstellung jenes ökologischen Desasters, das durch den Sowjetstaat mit seiner dort im großen Maßstab aufgezogenen Minen-, Metall- und Rüstungsindustrie sowie seiner atomaren Nordmeerflotte erzeugt wurde – und wie insbesondere mit der Strahlen- und Schadstoff-Kontamination seit den 1990er-Jahren umgegangen werden konnte.
Diesen Dokumentarfilm, den wir beim ersten Festivallauf des Globians Doc Fest 2005 in Potsdam als deutsche Erstaufführung zeigen konnten, habe ich mir auch nach über 20 Jahren jetzt erneut mit großem Gewinn anschauen können. Er spannt den Bogen von Darstellungen der kulturellen und Habitat-Zerstörung von indigenen Nordmeervölkern, Versklavungen durch Umsiedlung mit Zwangsarbeiterschaft zum Aufbau von neuen Sowjet-Städten, über die Unterwerfung und Ausplünderung der gesamten Arktis-Region durch Stalins Regentschaft bis hin zu den zurückbleibenden und weiterhin belastenden Umweltvergiftungen von Industrie- und Rüstungs-Ruinen. Der Film zielt auf den Umgang mit diesen traumatischen, transgenerationellen Erfahrungen in der Wahrwerdung durch Benennung der geschichtlichen Abläufe, z.B. beim Aufbau eines Museums für indigene Völker in Russland, sowie im Zeigen von Heilung suchenden Rekultivierungsversuchen tradtitioneller Lebensweisen.

Mir erscheint dieser Nahblick aus der Ferne der kanadischen Produzenten sehr schlüssig zu sein, denn auch in Kanada war und ist der Umgang mit indigenen Bevölkerungen der Arktis-Region historisch kritisch zu bewerten. Diese Eigenbezüglichkeit scheint mir nun die Voraussetzung dafür zu sein, beim anderen, hier in Sowjet-Russland, nur um so genauer hinschauen zu können.
Der anthropologische und ethnographische Blick verträgt sich multiperspektivisch hier sehr gut mit Fragen des Erhalts natürlicher Lebensgrundlagen und dem Umgang mit Kontaminationen durch die Geschichte. Auch wurde hier ein Blick auf die produktive Phase von NGO-Arbeit und ihren eigentlichen Sinn gewagt, wenn vernächlässigte oder gar verdrängte Themen in Staat und Gesellschaft sowie dringend aufgrund dieser Erkenntnisse zu erledigende Angelegenheiten in den öffentlichlichen Fokus gerückt werden.

Bedauerlicherweise ist diese Dokumentarfilmproduktion derzeit online nicht verfügbar. Eine DVD-Sichtungskopie ist jedoch für CAN$ 10.- zuzüglich Versand bei der Produktionsgesellschaft erwerbbar:
https://facetofacemedia.ca/films/arktika/
https://facetofacemedia.ca/product/arktika/
Obwohl es sich um eine unabhängige Produktion handelt, merkt man ihr die breite Produktionsbeteiligung der kanadischen Film- und Fernsehförderung an: CBC Vancouver, Telefilm Canada, British Columbia Film, Canada Television Fund, Film Incentive BC, Rogers Documentary Fund, Canada Film Production Tax Credit Program.

Ein Filmausschnitt ist bei Vimeo online:
https://vimeo.com/1133299105?fl=pl&fe=cm
Pressematerial des Filmproduzenten, das press kit zum Download als pdf-Datei:
https://facetofacemedia.ca/site25/wp-content/uploads/2025/11/Arktika-presskit-for-website.pdf
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