20-Jahre-Regel | Globians Doc Fest 2006 | Macht, Medien, Herrschaft | James Beveridge und das NFB von Kanada

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20-Jahre-Regel | Globians Doc Fest 2006 | Macht, Medien, Herrschaft | James Beveridge und das NFB von Kanada
Porträt James Beveridge, ca. 1950 – Fotoquelle: en.wikipedia.org

Als Internationale Erstaufführung zeigten wir beim 2. Globians Doc Fest 2006 in Potsdam die Filmbiographie "The Idealist – James Beveridge, Film Guru" seiner Tochter Nina Beveridge. Es handelt sich um eine kanadische Dokumentarfilmproduktion aus dem Jahr 2004 unter Beteiligung der kanadischen Filmförderungen sowie von TV Ontario mit einer Laufzeit von 74 Minuten. Arbeitssprache beim Globians Doc Fest war Englisch.

James Alexander Beveridge war Dokumentarfilmer, Buch-Autor, Hochschullehrer, mehrfacher Institutsgründer für Dokumentarfilm-Schulen an Universitäten und Hochschulen in den USA, in Kanada und in Indien. Er war einer der Gründer-Filmemacher am National Film Board of Canada (NFB) und wurde Produktionsleiter am NFB in den Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
John Grierson war dafür eine – später für Beveridge sehr ambivalente – Schlüsselperson. Norman McLaren und Guy Clover waren Freunde der Familie.

"Laurels" für The Idealist. Quelle: beevision.com

Nina Beveridge mit einer Synopsis auf der Website des Filmwerks:

James Beveridge was barely in his twenties when he became a founding member of the National Film Board of Canada. There he discovered the power of film as a catalyst for social change. He went on to become one of Canada’s most accomplished filmmakers and inspirational mentor to many. He pursued his ideals around the world with unwavering commitment, but often at the expense of his family. In The Idealist: James Beveridge, Film Guru, Beveridge’s daughter Nina retraces the footsteps of the father she hardly knew.
Over s period spanning 50 years, Beveridge made 150 films. He was hired in 1939 by John Grierson to help launch the fledgling National Film Board of Canada—the country’s WW2 war propaganda machine. In post-Independence India, he used film as a tool for nation-building and was instrumental in creating a mass media communications strategy for rural education. In the United States, at the height of civil unrest of the early 1960s, he established the North Carolina State Film Board, and made films promoting integration. Back home, he founded the graduate film studies program at York University, the first of its kind in Canada, spawning a generation of A-list broadcasters and filmmakers working today. Nina ultimately asks: is there still a place for idealism? At what price?

Filmtrailer von The Idealist bei youtube.com

Auf der Website des Filmwerks findet sich ein Director's Statement von Nina Beveridge sowie – unter dem Titel "James Beveridge Documentary Pioneer" – ein sehr lesenswerter und reich bebildeter biografischer Abriß über James Beveridge.

"The Idealist" ist nach wie vor als DVD-Video käuflich erwerbbar und damit auch international verfügbar. Die beiden Dokumentarfilme von James Beveridge Music of North India: Amjad Ali Khan und Music of North India: Bhimsen Joshi sind ebenfalls dort als DVD-Video verfügbar.

Es sind drei Werke von James Beveridge, mit denen ich mich gerne nach Zugang beschäftigen möchte: sein Filmporträt über Satyajit Ray, seine Würdigung von John Grierson als Buchveröffentlichung sowie die Dokumentarfilm-Serie "Hands" über japanische Handwerkskunst und ihre Tradition aus dem Jahre 1975 als Auftragsproduktion für die Mobil Sekiyu Oil Company.

Spannend und von mir bislang übersehen war die kanadische Version des US-amerkanischen "McCarthyismus": die Kommunistenhatz beim Heraufziehen des Kalten Kriegs nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der John Grierson und sein von ihm erwähltes Personalumfeld einstweilen und zunächst zum Opfer fielen. Später hatte Grierson seine hohe Meinung von Beveridge revidiert und dem späteren Auswahlkommittee von einer Berufung von James Beveridge zum Leiter des NFB abgeraten. Beveridge lebte s/einen Freigeist, der Grierson später anscheinend suspekt wurde. Zu viel im Ausland zu arbeiten, war auch damals schlecht für's institutionelle Dabeibleiben. Der Wechsel vom Dokumentarfilmemacher/-produzenten in die damals neu heraufziehende akademische Lehre von Film als berufliche Option mit einer Institutsgründung an der York-Universität in Toronto (Ontario) und die pionierhaften Möglichkeiten für Film- und Medien-Didaktik in Indien (wieder mit Institutsgründung, die UNESCO war mit im Spiel) brachten ihm dann neue Berufsperspektiven. Die nord-amerikanischen Expos der 1960er Jahre (Seattle 1962, Monteal 1967) waren auch cinematographisch interessant: IMAX hatte bei der Expo 70 in Osaka schließlich Premiere. Das NFB war bei diesen kinotechnischen Experimenten mit involviert – Beveridge bei der Expo 67 in Montreal. Später, in den 1980er Jahren, seine Arbeit als Filmkritiker im kanadischen Fernsehen für's breite Publikum.

Ich habe The Idealist nach 20 Jahren sehr gerne wieder gesehen und habe diesen Ausflug in die Filmgeschichte auch wieder sehr genossen, gerade im Spannungsfeld zwischen Künstler, Werk, Zeitläufe und Familie/Ehefrau/Co-Autorin/Schnittmeisterin/Kinder. Gerade dieses Spannungsfeld bringt erst die menschliche Tiefendimension zur Darstellung und mit der geschichtlich-kulturellen Kontextualisierung des Weltbürgerdaseins als Spannungsbeziehung ins Lot. Es geht nichts über den Ariadnefaden der familiären Aufarbeitung und Aufklärung.

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